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Bloß ein blasses und geschmackloses Gemüse?

Beelitz, den 23.05.2012

Mit großem Interesse und Grübchen auf den Wangen, die bei mir durch Lachen entstehen, habe ich einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 13.04.2012 unter dem Titel „Geschmackssache“ von Herrn Titus Arnu gelesen. Geschmackssache sind sicher auch die Gedanken zum Thema Spargel  von Herrn Arnu, der nicht gerade zu den Freunden dieses wundervollen Gemüses zählt oder zu mindestens scheint er Gemüse nach dem Preis und nicht nach der Qualität  zu beurteilen. Blasses und geschmackloses Gemüse aus Schrobenhausen, Herr Arnu, empfehle ich Beelitzer Spargel, denn er ist in diesem Jahr besonders köstlich, fein und edel im Aroma. Wenn er meint dass die Spargelsaison in Deutschland einer Fiktion gleicht, kann ich diesem nur mit dem gleichen Lächeln widersprechen. Jedes Gemüse können sie mittlerweile 12 Monate im Jahr in Supermärkten erhalten. Ich finde dies sehr schade, denn dadurch verliert wahrlich ein Produkt an Wert und Attraktivität, aber - und dass freut mich besonders,  sehen die Verbraucher es ganz anders als Herr Arnu. Sie erfreuen sich an dem saisonalen Genuss von Produkten aus unserem Land und so  wird es auch in Zukunft eine Erdbeersaison, eine Spargelsaison, einen Heidelbeersaison und eine Kürbissaison um und in Beelitz  geben. Millionen von Menschen  erwarten freudig in Brandenburg und Berlin den Spargelanstich und die Eröffnung der Saison in Beelitz.  Diese ganzen Menschen wissen nicht nur die Qualität, die Frische und den Geschmack unserer Produkte zu schätzen, sondern sind begeistert grade mal für 2 Monate im Jahr etwas zu genießen, und machen dadurch den Spargel wie schon Generationen vor uns, 151 Jahre (denn solange gibt es schon den feldmäßigen Spargelanbau in Beelitz) zu etwas Besonderem. Da ist es vollkommen egal, ob sie es am heimischen Herd zubereiten oder auf den Spargelhöfen zu sich nehmen.

 

 „Geschmackssache“ finde ich auch, dass sich nicht einmal eine Handvoll von Personen,  die zweifelsfrei kochen können, anmaßen für ganz Deutschland über den Spargel ein Geschmacksurteil abzugeben.  Eine Erdbeere in Mecklenburg-Vorpommern schmeckt sicher anders als eine Erdbeere aus Bayern. Ein Bier aus Norddeutschland schmeckt sicher anders als ein Bier aus Süddeutschland. Der Norddeutsche trinkt gerne ein kräftiges Pilz, der Süddeutsche lieber ein mildes Hefeweizen. Wer will beurteilen was besser schmeckt und wer einen besseren Geschmack hat. Geschmackssache- darüber lässt sich schlecht streiten. Täglich tausende von Besucher auf unseren Spargelhöfen, sprechen da für mich als Bürgermeister ein eindeutiges Urteil und auch wenn vielmehr Spargel geerntet wird als die Jahre zuvor ist die Qualität gleichbleibend hervorragend, denn nur zur Erinnerung die tausenden Tonnen geernteten Spargel landen nicht auf dem Kompost, sondern werden genussvoll verzehrt. Unser Spargel und unsere Spargelprodukte, ob Sahnelikör, Butter, Brot sind in Berlin, Brandenburg und weit über die Landesgrenzen hinaus nicht nur beliebt, sondern sie schmecken den Menschen. Das war so, das ist so, so wird es auch bleiben und das ist auch gut so. Spargel prägt unsere Stadt, denn nicht nur die landwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind hier optimal, mitnichten hier liebt und lebt man den Spargel. Man weiß ihm hier zu genießen und obendrein ihn zuzubereiten, denn auch Spargel muss man kochen können.

 

Bernhard Knuth

Bürgermeister der Spargelstadt Beelitz