Schwerer Unfall beim Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr
Am 02.Januar 2010 um ca. 09:15 Uhr wurde die Fichtenwalder Feuerwehr von der Feuerwehrleitstelle Brandenburg zu einem Einsatz beordert.
Als aktive Feuerwehrfrau wurde auch Stephanie Honal per „Piepser“ informiert und eilte unverzüglich zur Feuerwache. In der Wache gab es seitens der ebenfalls dort eingetroffenen Kameraden die Information, dass es bei diesem Einsatz um einen Baum gehe, der auf ein Wochenendhaus zu stürzen drohe. Gegen 09:20 Uhr am Einsatzort ankommend, stellte sich heraus, dass die in Rede stehende riesige Kiefer unter der Schneelast bereits stark geneigt war. Mit Hilfe zweier Kameraden stellte Frau Honal eine auf 14 Meter Höhe ausziehbare Schiebleiter auf, um es dem Feuerwehrmann Ronny König zu ermöglichen, eine sog. Arbeitsleine um den gefährdeten Baum zu legen. Geplant war, anschließend mit einer Motorwinde die Fallrichtung des Baumes so zu beeinflussen, dass das Wochenendhaus nicht zerstört würde. Frau Honal stand an der Leiter und sicherte diese. Beim Hochziehen der Arbeitsleine durch Herrn König ertönte plötzlich ein lauter Knall und gleichzeitig begann die Leiter instabil zu werden. Frau Honal, die nicht wusste wodurch der Knall verursacht worden war, hatte in diesem Augenblick nur einen einzigen Gedanken: „Ich darf die Leiter auf keinen Fall loslassen, um meinen Kameraden Ronny König nicht in Lebensgefahr zu bringen!“ In diesen Moment fiel die Baumkrone herab, die in einer Höhe von ca. 13 Metern unter der Schneelast abgebrochen war. Die Baumkrone hatte an der Bruchstelle einen Umfang von ca. 20 Zentimetern und streifte, bevor sie auf dem Boden aufschlug Frau Honal, die verzweifelt versuchte, die Leiter zu stabilisieren. In diesem Moment setzte bei Frau Honal die Erinnerung aus.
Der sofort von den Kameraden alarmierte Rettungswagen traf gegen 10:15 Uhr an der Unfallstelle ein und brachte Frau Honal in das Potsdamer Ernst-von-Bergmann Klinikum. Gegen 15:00 Uhr wachte Frau Honal auf der dortigen Intensivstation auf. Sie öffnete die Augen und bemerkte, dass sie alles blendete und sie nur Doppelbilder sah, hervorgerufen durch ein Schädel-Hirn-Trauma ersten Grades. Frau Honal hatte keine Erinnerung an den Unfall und fragte die anwesenden Ärzte und Kameraden immer wieder verzweifelt, was denn passiert sei. Frau Honal bemerkte, dass sie nicht durch die Nase atmen konnte; der Grund war ein Nasenbeinbruch. Sie konnte den Mund nicht schließen, weil ihre Zähne verschoben waren. Sie bemerkte, dass ihr rechter Arm eingegipst war; die Speiche war gebrochen. Ein Finger war steif – Sehnenriss. Ihr ganzer Körper schmerzte, insbesondere das rechte Bein, wobei sich beim MRT herausstellte, dass das vordere Kreuzband gerissen und das Schienbein gebrochen war.
Die Kameraden klärten Frau Honal über den Unfall auf und über die Tatsache, dass ihr Kamerad Ronny König, der oben auf der Leiter stand, den Vorfall auch überlebt hat. Herr König umklammerte in dem Moment, als die Krone abbrach, den unteren Teil des Baumes und rettete sich so vor dem lebensgefährlichen Absturz. Frau Honal lag zu diesem Zeitpunkt bereits blutend und schreiend unter der herabgestürzten Baumkrone. Erst der Notarzt konnte sie mit Hilfe eines Medikamentes ruhig stellen.
Frau Honal ist im Moment vorübergehend aus dem Krankenhaus entlassen worden. Sie sitzt z. Z. im Rollstuhl und macht erste Gehversuche mit Hilfe zweier Krücken. Sie muß jedoch erneut ins Krankenhaus und sich dort operieren lassen. Daran anschließen wird sich eine Reha-Massnahme. Neben den schweren körperlichen Verletzungen versucht Frau Honal, das Erlebte auch psychisch zu verarbeiten. Sehr wichtig ist in dieser Situation für sie, dass sie von ihrer Familie, ihren Freunden und ihren Kameraden in jeder Weise unterstützt wird. Diese Menschen trösten und motivieren sie und geben ihr damit die Kraft, körperlich wieder auf die Beine und seelisch ins Gleichgewicht zu kommen.
Es gibt in Brandenburg viele Menschen, die einen Großteil ihrer Freizeit opfern und sich ehrenamtlich zum Wohl ihrer Mitmenschen engagieren. Gerade bei den Mitgliedern der vielen Freiwilligen Feuerwehren ist dieses Ehrenamt häufig mit sehr schweren Einsätzen verbunden, die körperlich und seelisch sehr viel Kraft kosten. Der hier geschilderte schwere Unfall zeigt wieder einmal, dass die Feuerwehrleute bei ihrem Ehrenamt oft auch das eigene Leben riskieren!
Bei Stephanie Honal haben hier nur ein paar Millimeter zwischen Leben oder Tod entschieden.



